Tag des offenen Denkmals

 
D D D
D

 

  Nach 1296 wird von Nr. 87-95 als „hereditas" = Erbteil gesprochen, 1315 erstmals von „curia et ... bodhis". 1577 heißt es in den Schröderschen Regesten: „ein hus ... by nu gegen der nie Tolleboden auer mit all sinen boden". Ab wann Nr. 93-95 als eigenständiges, aus dem Großgrundstück herausgetrenntes Objekt betrachtet wird, wird nicht klar beschrieben. Im 18. Jahrhundert. werden Nr. 93 und Nr. 95 als gemeinsames Querhaus unter einem Dach benannt. Der Name „De olde Tollebolde" wird 1589 erstmalig im Niederstadtbuch erwähnt. Aus 1790 ist der Name „De olle Tollen" überliefert. Die ehemals mittelalterlichen Häuser werden im Denkmalplan als spätestens Ende 18. Jahrhundert "Traufenhäuser unter einem gemeinsamen Dach" ... beschrieben. Eine Aufnahme aus der Zeit vor dem Abbruch der Toranlage zeigt die westseitige Trauffassade des Alten Zolln mit dem baumgerahmten Freisitz und seiner im wesentlichen dem heutigen Bestand entsprechenden klassizistischen Außengestaltung mit Zwerchhaus und, soweit erkennbar, den beidseitig davon errichteten kleinen Dachgauben. Die traufseitige Gestaltung ist also in die Zeit um 1800 einzuordnen und nicht erst, wie an anderer Stelle geäußert, nach Abbruch der alten Tordurchfahrt und seiner Nebengebäude im Jahre 1861 neu gestaltet worden. Der aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammende vierachsige Staffelgiebel, errichtet aus Klosterformatsteinen, weist unter stichbogigen Entlastungsbögen Fenster und eine Firststaffel mit stichbogiger Blendnische auf. Im Gegensatz zur verputzen Westfassade bleibt auf dieser Giebelwand die Mauerwerkstruktur unter einer leichten Schlämme sichtbar. Die aufgrund der Ecksituation des Hauses mögliche Erlebbarkeit zweier Bauepochen an einem Haus macht das Gebäude gerade auch in Verbindung mit dem heute für die Innenstadt untypischen Element des erhöhten Freisitzes für den Außenstehenden besonders interessant. Bis ins 19. Jahrhundert hatten noch viele Häuser in der Mühlenstraße ihre Freisitze, Beischläge oder kleine, bewachsene Vorgärten. Diese mussten aber nach und nach den Verkehrsmaßnahmen und dem Umbau der Mühlenstraße weichen. Die heutigen Fenster wurden bei der Sanierung des Hauses 1980 nach historischem Vorbild erneuert. Der bei jüngsten Malerarbeiten festgestellte Erstanstrich nach dem klassizistischen Umbau war ein Altrosa, der vor allem am und um den Zwerchgiebel herum nachgewiesen werden konnte. Farbige Fassungen wurden auch auf der „Wilder Mann"-Terrakottafigur über dem Eingang gefunden. Diese Figur soll aus dem abgebrochenen äußeren Holstentor stammen. Sie wird derzeit restauratorisch überarbeitet und in Kürze wieder eingebaut. Die ursprüngliche Teilunterkellerung unter der südlichen Haushälfte wurde bei der Sanierung 1980/81 zum Vollkeller erweitert und ein neuer innenliegender Kelleraufgang geschaffen. Ein unter dem Fußweg „An der Mauer" vorhandener Kellerraum (Kasematte) wurde 1884 auf Kosten der Stadt (700 Mark) als Lagerersatz der Gaststätte für einen hölzernen Vorbau erstellt, der den Pflasterabeiten der Straße im Wege stand. Eine öffentliche Fuhrwerkswaage wurde in den 1960er Jahren noch benutzt, ihre Reste wurden bei den Tiefbauarbeiten 1996 entfernt. Von dem Dresdner Maler Wilhelm Andreas Schaberschul, der auch an der Ausgestaltung der Semperoper mitgearbeitet hatte und der zu Restaurierungsarbeiten der Kapelle an der Parade in Lübeck weilte, stammt die Malerei auf der Nordwestwand mit tanzenden Bauernpaaren und Zitherspieler. Im EG sind verschiedene Ausstattungsreste des 19. Jahrhundert, wie der Kachelofen im Schankraum, eine zweiflügelige verglaste Rahmenfüllungstür und zweitverwendete Gotlandplatten erhalten. Zwei stichbogige Nischen, ein abgedeckter Kelleraufgang und ein Geschossabsatz im historischen Kellerteil geben Auskunft über die Baugeschichte. Die aus Holz gefertigten und mit Blattgold überzogenen Buchstaben mit dem Namen der Gaststätte über dem Eingang sind die letzten dieser Art in Lübeck. Das OG wurde 1981 weitgehend erneuert mit der Balkenlage zum DG. Die Türen und zu Paneelen umfunktionierten Türblätter sowie das Eichenparkett stammen aus abgebrochenen Villen im St. Jürgen Viertel. Bei der Sanierung des eichenen Dachstuhles wurde die erste Kehlbalkenlage vollständig erneuert.